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Rezension:

Mareike Liedmann von Lesetiefe / Instagram https://www.instagram.com/lesetiefe/ schreibt:

Als Marius Harrer Kontakt zu mir aufgenommen hat und mich gefragt habe, ob ich seinen Debütroman lesen möchte und ich einen ersten Blick auf den Klappentext geworfen habe, war ich ehrlich gestanden etwas abgeschreckt. Paruresis und pinkelnde Männer (im übrigen auch pinkelnde Frauen) gehören nicht zu meinem bevorzugten Lese-Themen-Gebiet. Dann habe ich aber ein bisschen recherchiert und bin bei Youtube auf einen kleinen vorgelesenen Textausschnitt gestoßen, der mich dann doch überzeugt hat das Buch zur Hand zu nehmen und zu lesen. Und siehe da, ich habe mich von Marius Harrer und seinem Erstling wunderbar unterhalten gefühlt.

Ruben, die Hauptfigur des Romans ist ein Paruretiker, was bedeutet, dass er Probleme beim urinieren hat. Sobald er sein Haus verlässt wird das Urinieren für ihn zu einer wahren Herausforderung. Er hat zahlreiche Strategien entwickelt, um sein Leiden zu verbergen. Es belastet ihn dennoch sehr. Darum ist er dankbar, als er in Michi57 einen Coach findet, der ihm via Internet und WhatsApp-Nachrichten Tipps und Strategien an die Hand gibt und ihm virtuell auf die Schulter klopft, wenn ein neues Etappenziel erreicht ist.

Die Paruresis ist letztendlich aber auch dafür verantwortlich, dass Ruben mit Rosa in Kontakt kommt. Rosa ist Balletttänzerin mit klaren politischen und gesellschaftlichen Ansichten, die die Diskussion und die Konfrontation nicht scheut. Etwas, das sowohl in Rubens Familie als auch in seinem Freundeskreis nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt.

Ruben hätte ich auch ohne Paruresis sympathisch gefunden und die Geschichte hätte für mich auch weit weniger Herausforderungen auf diesem Gebiet vertragen können. Die Seitenhiebe auf die aktuelle Debattenkultur, die eigentlich keine ist, weil es vielfach nur um die Bestätigung der eigenen Meinung statt um einen wahrhaften Diskurs geht, haben es mir aber sehr angetan! Ich habe oft gelacht, manchmal ist mir das Lachen im Hals stecken geblieben, ich habe einige Personen aus meinem eigenen Umfeld im Roman wiedergefunden und mich dabei großartig amüsiert.
Auch der zögerlichen Liebesgeschichte zwischen Ruben und Rosa bin ich gerne gefolgt, weil die beiden erfrischenderweise Partner auf gleicher Augenhöhe sind, was mir in vielen anderen Geschichten fehlt.

Am Ende bin ich daher froh und glücklich, den Roman nicht nach seinem Klappentext bewertet zu haben und werde sicher den nächsten Diskussionen mit anderen Augen begegnen. Wer locker-leichte Unterhaltung sucht wird in diesem modernen Roman sicher fündig werden.

Eine Leseprobe sowie einen Einblick in die Entstehung des Buches, für dessen Veröffentlichung Marius Harrer eigens den Seemannsgarn-Verlag gegründet hat, findet ihr auf der Internetseite des Verlags.

Von mir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

 

Rezension:

Danielle Lorenz von Literatururteile schreibt:

Allem voran: Leute, „das schüchterne Organ“ ist kein Sachbuch!💧

So. Und auf Los geht’s los😁: »Während seiner Studienzeit hatte er sich ab und zu an solchen Diskussionen beteiligt […] Niemals war irgendwer aus einer politischen Diskussion […] zufrieden herausgegangen. Niemand sagte: ‘Das war echt eine tolle Diskussion heute beim Mittagessen. Echt schön, wie groß die Meinungspluralität […] ist.’« (S. 32).
Der Protagonist des Romans – Ruben Himmelreich – ist nicht nur ein Paruretiker, dem es schwer fällt, auf öffentlichen Toiletten zu urinieren; er ist vor allem auch ein guter Beobachter, der erkennt, wie politische Debatten heute zumeist geführt: Eben häufig einfach um der Diskussion willen – und nicht etwa, um eine Lösung zu finden!
Noch dazu ist Ruben jetzt bereits seit einigen Jahren single, was ihm von seiner Familie und seinen Freunden ständig unter die Nase gerieben wird… Ruben? Du hast es nicht leicht. Aber dann: Rosa! Er lernt eine junge Frau kennen, die Mitglied von @voltdeutschland ist und die Ruben ein bisschen von ihrer Meinungsstärke abgibt, sodass es schon mal vorkommen kann, dass er bei erneuten politischen Diskussion in seinem Freundeskreis einmal tief Luft holt und allen zeigt, wie sinnlos diese abgeschmackte Debattenkultur ist. Ach und da wäre auch noch der ‘Pinkelrentner’ Michi, der Ruben endlich dabei hilft, sich sukzessiv von seiner schüchternen Blase zu befreien. Aber alles kann ich euch ja auch nicht verraten, da müsst ihr schon selbst lesen!

Obgleich Harrers Roman bereits interessant startet, spätestens ab dem gemeinsamen Frühstück der Himmelreichs hatte er mich dann ganz! Jetzt mal ehrlich: Jeder kennt wohl den Typ „Opa-Norbert“, der sich pejorativ über die veganen Mahlzeiten seiner Enkelkinder äußert und auch sonst keine Gelegenheit auslässt, den Rest der Familie in unangenehme Situationen zu bringen😅 Ich musste wirklich ein paarmal laut lachen und das war in meiner momentanen Examensphase auch bitter nötig. Lieber Marius, du sprichst wirklich viele aktuelle Themen an und triffst damit genau den Nerv der Zeit! An dieser Stelle noch einmal danke für das #Rezensionsexemplar😊.

Insgesamt kann ich sagen, dass mich das Buch wirklich gut unterhalten hat. Ganz abgesehen davon, dass ich auch gerne ein Eichhörnchen hätte, das aussieht wie Theo Waigel!
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Von mir also eine: 🤍Empfehlung für alle die 1) gerne einmal auf humorvolle Weise etwas über aktuelle (u.a. politische) Themen lesen und 2) etwas über Paruresis, über die jetzt ja nun wirklich sonst nicht so häufig gesprochen wird, erfahren möchten!

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